Interview mit einer leidenschaftlichen Tramperin

Michael: Inna, magst du dich mal kurz den Leuten vorstellen?

Inna: Klar, gerne doch. Ich bin Inna und bin auf Instagram unter dem Namen 32.mai zu finden – das kommt aus den Märchen von Baron Münchausen, den größten Abenteurer und Wanderer der Welt. Seit zwei Jahren reise ich per Anhalter um die Welt und liebe es von ganzem Herzen.

Michael: Wie kamst du auf die Idee als Anhalterin zu reisen? War das von Anfang an auf Dauer geplant oder hat sich das einfach so ergeben?

Inna: Es war ein kurzer organisierter Trip in Russland, bei dem die Organisatoren, die selbst leidenschaftliche Vagabunder sind, uns beigebracht haben, wie man ohne Geld überall überlebt. Sie haben uns verschiedene Aufgaben gestellt, die wir erfüllen müssten. Unter anderem mussten wir per Anhalter ein kleines Dorf erreichen und dabei die Fahrer über ihre erste Liebe auszufragen. Das sollte nur ein Anschub sein, mein Leben zu verändern, hat mich aber so ergriffen, dass ich direkt nach Ende dieser Veranstaltung selbst weiter gefahren bin und bis jetzt nicht aufgehört habe.

Michael: Du hast sicherlich schon viel auf deinen Reisen erlebt. Was ist dir etwas ganz besonders in Erinnerung geblieben?

Inna: Alles! Ich genieße jeden Augenblick, jede Sekunde, jeden Atemzug. Ich fühle mich erst wirklich lebendig, wenn ich auf dem Weg bin. Es macht mich wirklich glücklich, die ganzen „Zufälle“, Begegnungen und wie leicht man Antworten auf innerliche Existenzfragen erhält. Oder aber auch die Milchstraße zu sehen, das Knistern des Lagerfeuers beim Zelten, Menschen, die ihre Seele öffnen und die unglaublichsten Geschichten erzählen, den Dialog mit dem Universum selbst…

Michael: Viele glauben, dass das Reisen per Anhalter als Frau besonders gefährlich sei. Was sind deine Erfahrungen?

Ich habe nie etwas Schlechtes erlebt. Aber ich reise auch nie allein, sondern entweder mit noch 2-4 Mädels, meistens jedoch mit Jungs.

Michael: Wie stelle ich mir eine typische Woche in deinem Leben vor? Wie organisierst du dich?

Wenn ich unterwegs bin, plane ich nichts. Dies ist eine besondere Facette der Freiheit. Du stehst an einer Tankstelle, fragst einen Fahrer, ob er dich nach Milan mitnehmen könnte und er sagt dir, dass er nach Paris fährt. Und ohne lange zu überlegen, entscheidest du dich nach Frankreich zu fahren, obwohl du eigentlich nach Italien wolltest.  Das ist ein besonderes Erlebnis. Du weißt nicht, wo du schlafen wirst, wen du unterwegs triffst oder was sich ergibt. Und das ist das Schönste. So lernt man am schnellsten auch sich selbst kennen.

Michael: Welche Tipps würdest du mir für „Michael Lost in Europe“ mit auf den Weg geben?

Inna: Nimm warme Socken und eine Fleecejacke mit. Alles Andere ergibt sich von selbst 🙂