MLIE – Meine geplanten Strategien vor Ort

Wie kommt man eigentlich wieder zurück, wenn man irgendwo in Europa ausgesetzt wird, keinen Cent in der Tasche, noch nicht mal mit einer Zahnbürste ausgestattet ist und zudem auch noch keinerlei Orientierungssinn hat?

Berechtigte Frage und genau deshalb möchte ich dir heute einfach mal einen Einblick in meine Strategien für „Michael Lost in Europe“ geben.

Ich beschränke mich dabei auf die drei wichtigsten Fragen, also wie ich plane an Geld zu kommen, wie ich versuchen möchte möglichst viel Strecke zu machen und wie es mir hoffentlich gelingt, jeweils eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden.

Nochmal kurz zur Erinnerung:

  • Ich werde weder Geld noch Verpflegung, Pflegeartikel, einen Schlafsack oder Wechselkleidung dabei haben
  • Jegliche Form von öffentlichen Verkehrsmitteln oder organisierten Mitfahrgelegenheiten (BlaBlaCar, Uber etc.) ist verboten
  • Ich darf maximal 300 km mit jemandem mitfahren
  • Couchsurfing und andere organisierte Übernachtungsmöglichkeiten sind ebenfalls tabu

Wie soll das also mit den schwierigen Rahmenbedingungen klappen?

Prioritäten setzen – lieber hungern als stinken!

Da wir in einer Überflussgesellschaft leben, mangelt es uns an nichts Existenziellem.

Wir haben ein Dach über dem Kopf, wenn wir Hunger haben gehen wir an den Kühlschrank usw.

Unsere Dankbarkeit diesbezüglich hält sich aber in Grenzen, denn all diese Dinge stellen für uns in gewisser Weise eine Selbstverständlichkeit dar.

Viele Dinge wissen wir erst dann zu schätzen, wenn wir sie nicht mehr haben und deshalb ist auch völlig klar, dass sich mein Bewertungsmaßstab – zumindest temporär – in kürzester Zeit radikal ändern wird.

Sollte ich beispielsweise irgendwann eine Wechselunterhose ergattern können, so werde ich mich vermutlich wie ein König fühlen.

Klingt verrückt, aber wenn du genauer darüber nachdenkst, dann wirst du wohl auch zu dem Ergebnis kommen, dass das Fehlen einer Wechselunterhose vermutlich noch mein kleinstes Problem sein wird.

Wenn du nämlich ohne einen Cent in der Tasche startest und keinen regelmäßig garantierten Geldfluss hast, dann musst du dir dein Geld umso mehr einteilen.

Sobald ich also an meinem Zielflughafen lande, werde ich erst mal versuchen eine Flasche Wasser aufzutreiben.

Im Zweifelsfall greife ich einfach irgendwo eine leere Flasche ab und fülle diese in der Toilette (also am Waschbecken) auf, sofern das in diesem Land unbedenklich ist.

Für Eitelkeiten ist schließlich auf einer solchen Reise kein Platz.

Nach dieser Aussage wird es dich vielleicht verwundern, dass ich plane, mein erstes richtiges Geld nicht für Essen, sondern für Pflegeprodukte auszugeben.

Ich bin jedoch Realist und Hand aufs Herz, hättest du Bock jemanden in dein Auto einsteigen zu lassen, der stinkt?

Siehst du, ich auch nicht und genau deshalb wird es von enormer Wichtigkeit sein, immer einen halbwegs gepflegten Eindruck zu machen!

Dabei geht es gar nicht mal unbedingt nur um die fremden Personen, sondern auch um mich selbst.

Stell dir vor du würdest selbst am liebsten im Erdboden versinken, weil du dich ungepflegt fühlst – wie locker und flockig könntest du dann wohl noch Passanten ansprechen?

Eben und genau deshalb lautet mein Motto „Lieber hungern als stinken!“.

Alles Weitere wird sich ergeben, da bin ich fest von überzeugt.

Wie komme ich an Geld?

Weil die meisten ihr Leben lang Arbeitszeit gegen Geld tauschen und in gewissen Denkmustern gefangen sind, kämen sie bei dieser Fragestellung wohl nur auf zwei mögliche Lösungsansätze: Arbeiten oder Betteln.

Als Unternehmer sehe ich die Sache jedoch völlig anders: Geld verdient der, der Nutzen stiftet!

Wenn du nämlich genauer darüber nachdenkst, dann gibst du nur dann Geld aus, wenn du unbedingt musst oder wenn du dir davon eine gewisse Gegenleistung erhoffst, die dir mindestens diesen Betrag wert ist.

Da ich weder Miete noch Steuern eintreiben kann oder ähnliches, bleibt mir also nichts anderes übrig als den Menschen eine Möglichkeit aufzuzeigen, wie sie sich durch die Erleichterung ihres Geldes zumindest für einen kurzen Moment glücklicher fühlen können als vorher.

Betteln versus Nutzen stiften – ein Extrembeispiel

Klingt sehr abstrakt, aber ich gebe dir mal ein krasses Beispiel:

Ich weiß nicht, ob dir der YouTuber Exsl95 etwas sagt?

Keine Sorge, erstens hast du nicht viel verpasst und zweitens kannte ich den auch nicht, bis mir mein Kumpel Christoph den Kerl mal gezeigt hat.

Exsl95 wiegt ca. 180 kg und würde mir wohl kaum widersprechen, wenn ich ihn als gänzlich talentfrei bezeichnen würde.

In gewisser Weise ist er jedoch ein Genie.

Wie verdient er nämlich sein Geld?

Nun, er veranstaltet regelmäßig Livestreams und tausende von Menschen beobachten ihn dann dabei, wie er sich betrinkt, irgendwelche Lieder mitgrölt und zwischendurch jede Menge Scheiße labert.

Das ist aber noch nicht der Punkt.

Die Leute spenden ihm im Laufe eines solchen Abends eine beträchtliche vierstellige Summe und das nicht etwa, weil er um Spenden bettelt, sondern weil er den Menschen einen „Nutzen“ stiftet.

Für jeden Euro, den Exsl95 nämlich bekommt, haut er sich einmal leidenschaftlich und voller Inbrunst auf seine fette Plauze und zudem werden die Spender kurz namentlich mit einer Grußbotschaft eingeblendet.

Das sieht dann in etwa so aus:

Da sitzen also Leute vor ihrem Rechner und geben bereitwillig 20 EUR aus, weil sie den Kerl sympathisch finden und sich auf den anschließenden Trommelwirbel freuen.

Das mag vielleicht so einiges über unsere Gesellschaft sagen, aber ich möchte mir gar nicht anmaßen das zu werten.

Fakt ist nämlich, dass Exsl95 seinem Zuschauerklientel etwas Gutes tut und insofern hat er sich aus meiner Sicht auch jeden Euro verdient.

Die eigentliche Frage ist aber nicht, wie ich es jetzt in der kurzen Zeit noch auf 180 kg schaffe, sondern wie es mir gelingen könnte, den Menschen unterwegs ebenfalls einen Nutzen zu stiften.

Mir geht es dabei nicht darum, mich zu bereichern, sondern im Wesentlichen darum nicht zu hungern, nicht zu frieren usw.

Sollte ich am Ende meines Trips noch Geld übrig haben, dann lasse ich das natürlich ebenfalls der Deutschen Kinderkrebsstiftung zukommen.

Ansonsten ist es aber deutlich effektiver, die Spendengelder online einzutreiben.

Welchen Nutzen kann ich stiften?

Die Leute lieben es, Teil von etwas zu sein.

Wir sind Papst. Wir sind Weltmeister. Wir sind dieses oder jenes.

Ich werde mir deshalb irgendwas einfallen lassen, wie die Leute sich im Rahmen von „Michael Lost in Europe“ verewigen können – sei es, dass sie auf irgendwas unterschreiben, irgendwo mit ihrem Bild erscheinen oder was auch immer.

Das wird auf Garantie funktionieren.

Natürlich würden dir die Leute im Anschluss sagen, dass sie mir Geld gegeben haben, weil sie die Aktion cool finden, mich unterstützen wollen usw.

Ja, das mag durchaus mitschwingen, aber psychologisch gesehen ist vor allem ausschlaggebend, dass sie in dem Moment sich selbst und der ganzen Welt beweisen können, was für ein guter Mensch sie sind.

Und sind wir mal ehrlich, das wollen wir doch alle gerne sein, oder?

Das mag reichlich unromantisch klingen, trifft aber im Kern bei den meisten bis auf wenige Ausnahmen zu und ist auch gar nicht schlimm, denn am Ende zählt bekanntlich das Ergebnis.

Auf einen ähnlichen Ansatz fußt auch ein weiterer Teil meiner Strategie, denn da geht es um das Prinzip der Reziprozität.

Kompliziertes Wort, nicht wahr?

Was sich hinter dem Wort Reziprozität verbirgt, kennst du jedoch selbst nur zu gut.

Wenn dir jemand einen Gefallen tut, dann spürst du den innerlichen Drang dich dafür früher oder später dafür zu revanchieren, denn du willst niemandem etwas schuldig sein.

Also schlägst du zurück und holst zum Gegengefallen aus, der in den meisten Fällen sogar weit größer als der Ursprungsgefallen ist.

Unsere ganze Gesellschaft basiert auf diesem Prinzip, man denke nur an so Redewendungen wie „Eine Hand wäscht die andere“.

Wenn ich also nicht einfach bettle, sondern den Menschen zuvor einen Gefallen tue, dann steigere ich damit meine Erfolgsaussichten dramatisch und sei der Gefallen auch noch so klein.

Jetzt könnte man fast schon von Manipulation sprechen, aber erstens ist das wohl in dem Fall verschmerzlich, weil die Leute sich dadurch glücklicher fühlen als vorher und zweitens geht es für mich in gewisser Weise doch ums nackte Überleben.

Da das alles Taktiken sind, bei denen niemand übers Ohr gehauen wird, kann ich das moralisch sehr gut vertreten 😉

Wie mache ich möglichst schnell Strecke?

Zwar bin ich in der glücklichen Lage keinen Urlaub nehmen zu müssen, aber dennoch habe ich ein großes Interesse daran, möglichst schnell wieder zurück nach Ludwigshafen zu kehren.

Mein Team und ich haben sich nämlich vom 22.-25. März eine Villa in Portugal (ist so geil wie es klingt, aber fast schon billiger als Camping) und da wäre es schon äußerst blöd, wenn ich das verpassen würde.

Wie mache ich also möglichst schnell Strecke?

Da ich ja aus dem Bereich Online-Marketing komme, bin ich es gewohnt sowohl den „Traffic“ (Besucheranzahl) als auch die „Conversion“ (Abschlussrate) zu optimieren.

Nichts anderes muss ich hier letztendlich auch machen und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Wie schaffe ich es also, meine Chancen zu erhöhen?

Auf einer Landstraße hätte ich zwar jede Menge Traffic, aber das wäre in etwa so wie wenn ein Websitebesucher nur für drei Sekunden auf meiner Seite wäre.

Wie sollte es da schon zu einer Conversion kommen?

Ehe die mich mit meinem Schild gesehen und sich gefragt haben was der Typ will, sind die auch schon an mir vorbei gerast.

Ich brauche deshalb eine möglichst hohe Frequenz von Autos, die temporär ruhen und die mit Fahrern bestückt sind, die mit hoher Wahrscheinlichkeit weite Strecken in die von mir gewünschte Richtung zurücklegen wollen.

Was wäre da wohl besser geeignet als ein Rastplatz auf einer Autobahn?

Ein solcher sollte deshalb nach Möglichkeit immer mein Ausgangs- und Endpunkt sein.

Wenn ich an einer solchen Raststätte bin, dann muss ich knallhart in den Vertriebs-Modus schalten.

Ein guter Vertriebler bleibt auch nach dem 8. Nein entspannt, weil er weiß, dass er mit jedem weiterem Nein dem Ja ein Stück näher kommt.

Irgendwann wird schon irgendwer der die Voraussetzungen erfüllt (richtige Richtung) anbeißen, aber sicherlich nicht von alleine, weil er unbedingt einen Mitfahrer sucht.

Hier stehe ich in der Verantwortung.

Das A und O wird es deshalb sein, möglichst schnell Sympathie und Vertrauen aufzubauen und da geht erst mal nichts über ein freundliches Lächeln.

Ein Dialog könnte in etwa wie folgt aussehen:

Guten Tag! (Eingangsgruß in Landessprache und Gegengruß abwarten)

Do you speak English?

A little bit…

Oh great! How are you?

Fine!

I’m Michael from Germany, what’s your name?

Sergej.

Nice to meet you! Sergej, you look like a good guy and I really need your help. I’m a German blogger and I’m collecting money for children with cancer. No worries, I want no money from you but my goal is to come back to Germany without public transportation. Where do you want to go?

Du siehst, es geht nicht darum möglichst vielen Leuten plump meine Bitte an den Kopf zu knallen, sondern es geht zunächst mal darum Sympathie und Vertrauen aufzubauen.

Erst wenn die Autofahrer sich sicher sein können, dass sie sich nicht in „Gefahr“ befinden, werden sie überhaupt für meine Worte empfänglich sein.

Im nächsten Schritt wird es dann darum gehen, ihnen zu erklären, WARUM sie etwas tun sollen.

Kein Mensch möchte schließlich einfach auf Zuruf handeln.

Wenn ich all diese Regeln beachte, dann sollte nach dem Gesetz der hohen Zahlen automatisch irgendwann das entscheidende „Ja“ folgen, das mich wieder ein Stückchen näher zu meinem Ziel führt.

Als Etappenziel habe ich mir jeweils 250-300 Kilometer am Tag vorgenommen.

Ob das realistisch ist, wird sich zeigen, da bin ich offen gesagt überfragt.

Wie finde ich einen Platz zum Schlafen?

Das ist offen gesagt der Punkt, vor dem ich noch am ehesten Bammel habe, denn vor den nächtlichen Temperaturen nachts Anfang März habe ich definitiv Respekt.

Mein grober Plan sieht deshalb so aus, dass ich es etwa bis 17:00 Uhr darauf anlege möglichst viel Strecke zu machen und dann meine Priorität darauf verlagere, schlaftechnisch irgendwo unterzukommen.

Noch mal zur Erinnerung, Couchsurfing oder sonstige übers Internet arrangierte Dinge sind tabu.

Ein Hotel wäre zwar erlaubt, aber erstens ist die große Frage, ob ich mir dieses überhaupt leisten könnte und zweitens wäre das jetzt auch nicht unbedingt die Art von Erlebnis, die ich mir von meinem Trip erhoffe.

Ich möchte lieber unter Menschen sein und mich mit diesen austauschen.

Vorhin habe ich bereits eine Analogie zum Online-Marketing gebracht und das bietet sich auch diesmal wieder an.

Es ist nämlich erwiesen, dass es um ein Vielfaches einfacher ist, einen bereits bestehenden Kunden zu einem weiteren Kauf zu bewegen als einen neuen Käufer zu finden.

Idealerweise sieht es also so aus, dass mir ein „Upsell“ gelingt und mich meine letzte Mitfahrgelegenheit bei sich schlafen lässt.

Wenn wir locker ins Gespräch kommen und uns gut unterhalten, werden meine Erfolgsaussichten deutlich höher sein als wenn ich wieder beginnen muss wildfremde Menschen anzuhauen.

Sollte dies jedoch aus irgendeinem Grund nicht gehen, so würde ich es darauf anlegen in die Innenstadt zu gelangen und dort mein Glück zu versuchen.

In dem Fall darf ich mich von 40 Neins nichts abschrecken lassen, denn irgendwann wird die richtige Person schon dabei sein.

Sollte ich jedoch in einer gottverlassenen Gegend landen, dann würde ich versuchen zentrale Gebäude wie beispielsweise ein Krankenhaus anzusteuern und mich mit dem Pförtner gut zu stellen.

Alternativ würde ich die Nacht in einem Bahnhofsgebäude oder ähnliches verbringen.

Aber ich denke da kann man im Vorfeld viel sinnieren, entscheidend ist die Praxis.

Am Ende des Tages werde ich mich also auf meine spontanen Eingebungen und meinen „Überlebensinstinkt“ verlassen müssen.

Fazit

Ich denke, dass du jetzt schon mal einen groben Überblick über meine Strategien hast.

Inwieweit diese tauglich sind, wird die Praxis zeigen.

Notfalls werde ich natürlich improvisieren und mir andere Taktiken zurechtlegen, sofern ich mit diesen nicht zum gewünschten Ergebnis komme.

Solltest du jedoch spezielle Tipps haben, dann bin ich dafür absolut empfänglich.

Welche Strategien würdest du wählen, wenn du in meiner Situation stecken würdest?

Lass‘ es mich wissen, ich bin gespannt!